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Produktivität

ownCloud
im Test.

ownCloud ist eine Dateiplattform für Unternehmen und läuft in 2 getrennten Fassungen. Infinite Scale (oCIS) ist in Go geschrieben, startet als einzelne Programmdatei und ordnet Dateien in Spaces statt in einem Dateibaum. Daneben pflegt der Hersteller den klassischen PHP-Server weiter, der am 30.07.2026 mit Version 11 auf PHP 8.3 umgestellt wurde.

3,5 von 5

Stand 4. August 2026

Preismodell Freemium, Community kostenlos (Betrieb auf dem eigenen Server) / ownCloud.online 15 Euro pro Nutzer/Monat bei 1-4 Nutzern, 13 Euro ab 5 Nutzern (jährlich) / Standard und Enterprise ab 25 Nutzern auf Anfrage
Betriebsort beides möglich
DSGVO im Einzelfall zu prüfen
Quelloffen ja, Apache-2.0 (Infinite Scale), AGPL-3.0 (Classic)

ownCloud hat seine beiden Konkurrenten selbst hervorgebracht. 2016 spaltete sich ein Teil des Teams ab und gründete Nextcloud, im Januar 2025 wechselte das Entwicklungsteam von Infinite Scale zur Berliner Heinlein-Gruppe und veröffentlichte dort den Ableger OpenCloud. Dazwischen liegt der im November 2023 angekündigte Kauf der ownCloud GmbH durch den US-Konzern Kiteworks. Zur Auswahl stehen heute also 3 Produkte mit gemeinsamer Herkunft, und nur eines davon pflegt seine alte PHP-Fassung neben der neuen Go-Fassung weiter.

Wichtigste Funktionen

  • Infinite Scale (oCIS): Die neuere Fassung ist in Go geschrieben und startet als einzelne Programmdatei, ohne Webserver und PHP darunter. Sie läuft auch verteilt über mehrere Rechner und kommt mit weniger Arbeitsspeicher aus als der alte Aufbau. Version 8 ist seit dem 16.02.2026 verfügbar, der Funktionsstand 8.1 stammt vom 06.07.2026 und die jüngste Korrekturfassung 8.0.7 vom 31.07.2026.
  • Spaces: Dateien liegen in Spaces, also in Projekt- oder Teambereichen. Rechte, Speicherlimit und Mitglieder hängen am Space statt an einer Person. Scheidet jemand aus, bleibt der Bereich mitsamt seiner Rechtevergabe bestehen.
  • Tresor mit Zwei-Faktor-Pflicht: Version 8.1 vom 06.07.2026 hat einen getrennten Tresor-Speicher bekommen, dessen Inhalte erst nach Anmeldung mit einem zweiten Faktor sichtbar werden. Öffentliche Freigabelinks sind dort gesperrt, und die Oberfläche färbt Tresore anders ein als normale Bereiche. Damit sicherst du Personalakten oder Vertragsordner in derselben Installation strenger ab als den Rest.
  • Classic-Server auf PHP 8.3: Am 30.07.2026 ist ownCloud Server 11.0.0 erschienen, die erste Hauptversion der klassischen PHP-Fassung seit dem Wechsel auf Infinite Scale. Sie verlangt mindestens PHP 8.3, schließt 11 Sicherheitslücken und stellt die Signaturprüfung der Apps auf ein neues Verfahren um, dessen Vorgänger zum 01.01.2027 ausläuft. Wer noch auf PHP 7.4 läuft, bleibt auf dem Zweig 10.16.
  • Office im Browser und Abgleich auf die Geräte: ownCloud bindet Collabora Online und OnlyOffice ein, damit dein Team Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien im Browser bearbeitet. Zum Abgleich auf die Geräte gibt es Programme für Windows, macOS und Linux sowie Apps für iOS und Android. Das Desktop-Programm steht seit dem 19.06.2026 bei Version 7.1.
  • Anbindung an vorhandene Benutzerverwaltung: LDAP, SAML und OpenID Connect verbinden ownCloud mit einem bestehenden Verzeichnis wie Active Directory oder Keycloak. Dazu kommen Prüfprotokolle und rollenbasierte Rechte, die bei einer Prüfung nachweisen, wer wann auf welche Datei zugegriffen hat.

Preise und Tarife

Die Community Edition kostet nichts und läuft auf eigener Hardware. Server, Speicherplatz und Pflege zahlst du dabei selbst. Der Quellcode von Infinite Scale steht unter Apache-2.0, der des klassischen Servers unter AGPL-3.0. Die fertig gebauten und vom Hersteller unterstützten Programmdateien von Infinite Scale fallen dagegen unter eine eigene Freemium-Lizenz, die ownCloud in seiner Entwicklerdokumentation ausdrücklich als nicht quelloffen einordnet.

ownCloud.online kostet für 1-4 Nutzer 15 Euro pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung, monatlich 18 Euro, bei 500 GB Speicher für alle zusammen. Ab 5 Nutzern sinkt der Preis auf 13 Euro jährlich und 16 Euro monatlich, mit 1 TB für die ersten 5 Nutzer und 200 GB je weiterem Nutzer. Das Cloud-Office kostet 48 Euro pro Nutzer und Jahr oder 4 Euro im Monat, ein zusätzliches Terabyte 599 Euro im Jahr oder 59 Euro im Monat.

Im eigenen Rechenzentrum gibt es Standard und Enterprise ab 25 Nutzern, jeweils mit Support und kommerzieller Lizenz. Preise nennt ownCloud dafür nicht, sie kommen auf Anfrage. Öffentlich steht nur ein Anhaltspunkt für große Abnahmen und Bildungseinrichtungen, nämlich 1,85 Euro pro Nutzer und Jahr als Untergrenze. Alle genannten Beträge sind Nettopreise, und die Geschäftsbedingungen von ownCloud.online halten dazu fest, dass die Gebühren keine Umsatzsteuer enthalten und diese zusätzlich berechnet wird.

Für wen ist ownCloud geeignet?

  • Unternehmen mit gewachsener Benutzerverwaltung: LDAP, SAML und OpenID Connect sind bei ownCloud lange erprobt, Prüfprotokolle und feingliedrige Rechte gehören zum Standardumfang. Wer Active Directory oder Keycloak bereits im Einsatz hat, spart sich die Doppelpflege von Konten.
  • IT-Abteilungen, die von PHP wegwollen: Infinite Scale läuft als eine Programmdatei, ohne Webserver, PHP-Module und die dazugehörige Pflege. Stößt eine Installation beim Arbeitsspeicher oder bei der Nutzerzahl an Grenzen, ist das der Grund für den Wechsel.
  • Teams, die projektweise arbeiten: Spaces bilden Projekte, Mandate oder Baustellen genauer ab als Ordner unterhalb eines persönlichen Verzeichnisses. Einen Projektbereich übergibst du, ohne Ordner zu verschieben.

DSGVO und Datenschutz

Im Selbstbetrieb legt der Betreiber den Standort fest, ein Vertrag mit dem Hersteller entsteht dabei nicht. Den Betrieb der gehosteten Fassung ownCloud.online hat am 03.12.2025 die BW-Tech GmbH aus Brühl vollständig vom Hersteller übernommen. BW-Tech verarbeitet die Daten ausschließlich in deutschen Rechenzentren und ist nach ISO 27001 zertifiziert. Als einziger Unterauftragnehmer steht Stripe Payments Europe aus Irland für die Zahlungsabwicklung in der Liste.

Das grüne Abzeichen hat der Eintrag trotzdem nicht mehr. Den Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO erzeugt BW-Tech erst auf Anfrage über ein Formular und schickt ihn per Mail zu. Öffentlich lesbar sind nur eine Übersicht der Vertragsinhalte, die Liste der Unterauftragnehmer und der Anhang mit den technischen und organisatorischen Maßnahmen. Nach demselben Maßstab stehen LLMBase, Mittwald und OpenTalk in dieser Sammlung bereits ohne das Abzeichen, alle 3 ebenfalls deutsche Anbieter.

Für den Selbstbetrieb ändert das nichts, dort läuft die gesamte Verarbeitung auf eurer eigenen Hardware, ohne Verbindung zu einem Dienst des Herstellers. Die Eigentümerlage gehört in die Entscheidung. Die ownCloud GmbH sitzt in Regensburg, gehört seit dem Kauf durch Kiteworks aber zu einem US-Konzern, und die stabilen Programmdateien von Infinite Scale stehen unter der genannten Freemium-Lizenz.

Um die Lizenz zu umgehen, baust du die Programmdateien selbst aus dem Apache-2.0-Quellcode oder greifst zu OpenCloud, dem Ableger derselben Codebasis unter der Berliner Heinlein-Gruppe. Dessen Quelltext hat auf GitHub inzwischen über 5.000 Sterne und damit mehr als das Original mit über 2.000.

Hohen Datenschutzanforderungen wird ownCloud im Selbstbetrieb weiterhin gerecht, weil Standort und Zugriffsrechte in deiner Hand liegen. Bei ownCloud.online hängt die Bewertung daran, ob dir ein erst auf Anfrage erzeugter Vertrag genügt.

Alternativen zu ownCloud

  • Nextcloud: Der 2016 abgespaltene Zwilling mit Kalender, Kontakten, Mail und über 400 Apps. Er deckt mehr ab und hat die größere Gemeinschaft, läuft dafür weiterhin auf PHP.
  • Seafile: Gleicht große Dateimengen schneller ab und verschlüsselt sie schon auf dem Gerät Ende zu Ende, erhebt aber keinen Anspruch auf Office und Groupware.
  • Syncthing: Kommt ganz ohne Server aus, die Geräte gleichen direkt untereinander ab. Passt für kleine Teams, kennt aber weder Rechteverwaltung noch Freigabelinks.

Wofür ownCloud taugt

  • Infinite Scale läuft als einzelne Go-Programmdatei, ohne Webserver und PHP darunter
  • Spaces binden Rechte und Speicherlimit an das Projekt statt an eine Person
  • Tresor-Speicher mit Zwei-Faktor-Pflicht seit Version 8.1 vom Juli 2026
  • LDAP, SAML, OpenID Connect und Prüfprotokolle im Standardumfang
  • Klassischer PHP-Server läuft mit Version 11 auf PHP 8.3 weiter

Wo es hakt

  • Reiner Dateifokus ohne Kalender, Kontakte und Mail
  • App-Angebot und Gemeinschaft deutlich kleiner als bei Nextcloud
  • Seit 2023 im Besitz des US-Konzerns Kiteworks
  • Stabile Programmdateien von Infinite Scale unter einer Lizenz, die der Hersteller selbst nicht als quelloffen einordnet
  • Auftragsverarbeitungsvertrag für ownCloud.online nur auf Anfrage

Wofür es eingesetzt wird

Dateiablage im eigenen Rechenzentrum · Projektbezogene Dateibereiche über Spaces · Zusammenarbeit an Office-Dokumenten · Anbindung an LDAP, SAML und OpenID Connect