Produktivität
Plausible Analytics
im Test.
Plausible Analytics ist ein Web-Analyse-Dienst der Plausible Insights OÜ aus Tartu in Estland. Der Dienst zählt Besucher ohne Cookies, personenbezogene Daten fallen dabei nicht an, und die Zahlen liegen auf Servern bei Hetzner in Falkenstein. Wer lieber auf eigener Hardware misst, nimmt die Community Edition unter AGPL-3.0.
| Preismodell | Freemium, Cloud ab 9 Euro im Monat bei 10.000 Seitenaufrufen (Starter) bis 19 Euro (Business), gestaffelt bis 10 Millionen Aufrufe. Community Edition zum Selbstbetrieb kostenlos. |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | ohne weitere Auflagen einsetzbar |
| Quelloffen | ja, AGPL-3.0 |
Wer Google Analytics einsetzt, braucht ein Einwilligungsbanner, eine Rechtsgrundlage für die Übermittlung in die USA und jemanden, der beides gegenüber der Datenschutzbeauftragten vertritt. Plausible misst dieselbe Reichweite mit anonymen Zählwerten, ganz ohne Cookies, und damit fällt diese ganze Kette weg. Das Dashboard passt auf eine Seite und zeigt Besucher, Quellen, Top-Seiten und Kampagnen, während Sitzungsaufzeichnungen, Heatmaps und die Wiedererkennung einzelner Besucher über mehrere Tage fehlen. Diese Grenzen führt der Hersteller auf einer eigenen Seite selbst auf und begründet sie mit der Bauweise des Produkts.
Wichtigste Funktionen
- Messung ohne Einwilligungsbanner: Plausible setzt keine Cookies, speichert keine IP-Adresse und liest aus dem Gerät des Besuchers nichts aus. Ein von Plausible beauftragtes anwaltliches Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass diese Art der Messung ohne Einwilligung zulässig ist. Für die Messung entfällt das Banner damit, andere Einbindungen einer Website bleiben davon unberührt.
- Zählskript mit 2,5 KB: Nach Herstellerangabe ist das Skript 2,5 KB groß, das Skript von Google Analytics 4 dagegen 135 KB in komprimierter Form. Eine Website mit 100.000 Aufrufen im Monat spart durch den Wechsel laut Plausible rund 4 kg CO2 im Jahr.
- Dashboard auf einer Seite: Besucher, Seitenaufrufe, Verweildauer, Quellen, Top-Seiten, Länder und Geräte stehen untereinander, ohne Berichtsbaukasten und verschachtelte Menüs. Seit dem 10.06.2026 gibt es einen eigenen Kanal für KI-Assistenten, der Zugriffe aus ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity getrennt ausweist, rückwirkend auch für die schon erfassten Daten.
- Ziele, Trichter und Besucherpfade: Eigene Ereignisse, Scrolltiefe und Umsatzziele richtest du im Dashboard ein. Die Trichteranalyse und die seit Mai 2026 verfügbaren Besucherpfade zeigen, über welche Wege Besucher zu einer Bestellung kommen und an welcher Stelle sie abspringen. Beides gehört zum Business-Tarif.
- Notizen im Verlaufsdiagramm: Seit dem 14.07.2026 kommentierst du Ausschläge in der Besucherkurve direkt im Diagramm, etwa mit einem Hinweis auf eine überarbeitete Website oder eine Kampagne. Die Notiz ist wahlweise nur für dich sichtbar oder für alle, die Zugriff auf das Dashboard haben.
- Community Edition zum Selbstbetrieb: Derselbe Quellcode läuft unter AGPL-3.0 mit Docker Compose auf eurer eigenen Hardware, aktuell in Version 3.2.1 vom 15.05.2026. Diese Langzeitfassung erscheint zweimal im Jahr, neue Funktionen kommen also mit Verzögerung an. Das Repository hat über 28.000 Sterne, der jüngste Codestand ist vom 04.08.2026.
Preise und Tarife
Die 3 Tarife staffeln sich in 8 Stufen nach monatlichen Seitenaufrufen, von 10.000 bis 10 Millionen, darüber auf Anfrage. Auf der untersten Stufe kostet Starter 9 Euro im Monat und deckt eine Website mit 3 Jahren Datenhaltung ab. Growth liegt bei 14 Euro und reicht für 3 Websites, 3 Teammitglieder, geteilte Links und eingebettete Dashboards. Business kostet 19 Euro, reicht für 10 Websites und 10 Teammitglieder, hält die Daten 5 Jahre und schaltet eigene Eigenschaften, die Stats-API mit 600 Abfragen je Stunde, die Looker-Studio-Anbindung, die Umsatzzuordnung im Shop sowie Trichter und Besucherpfade frei.
Bei 100.000 Aufrufen kosten dieselben Tarife 19, 29 und 39 Euro, bei einer Million 69, 104 und 139 Euro. Die Preisseite weist die Beträge für Besucher aus der EU in Euro aus, mit demselben Zahlenwert wie in der Dollar-Fassung, eine Umrechnung entfällt also. Den Unternehmenstarif verhandelst du einzeln, er enthält die zentrale Anmeldung über SAML 2.0 für Google Workspace, Okta und Microsoft Entra ID, dazu die Sites-API, einen verwalteten Proxy und geplante Rohdaten-Exporte. Jeder Tarif startet mit 30 Testtagen ohne Kreditkarte, bei jährlicher Zahlung sind 2 Monate frei.
Die Community Edition kostet keine Lizenzgebühr, dafür zahlst du Server, Datenbank, Sicherungen und die Arbeitszeit für Aktualisierungen. Alle genannten Beträge verstehen sich netto, die Umsatzsteuer kommt beim Abschluss hinzu.
Für wen ist Plausible Analytics geeignet?
- Behörden und öffentliche Stellen: Die Datenschutzbeauftragte fragt nach Rechenort und Vertrag, und beides steht ohne Anmeldung im Netz. Plausible nennt die schottische und die walisische Regierung sowie Harvard als Anwender, die eine solche Lieferantenprüfung bereits durchlaufen haben.
- Anwalts- und Steuerkanzleien, Kliniken, Praxen: Kanzleien und Praxen messen hier ohne Einwilligungsbanner und sehen trotzdem, welche Seiten gelesen werden. Dazu bekommen sie einen benennbaren Rechenort in Falkenstein und einen Vertragstext, den die Rechtsabteilung vor der Unterschrift lesen kann.
- Technische Teams mit eigener Hardware: Die Community Edition läuft mit Docker Compose auf eurer eigenen Hardware, und an Plausible fließt dann kein Geld. Dafür fehlen Trichter, Besucherpfade, Umsatzziele und die zentrale Anmeldung, und die Bot-Erkennung ist gröber, weil die Cloud rund 32.000 IP-Bereiche von Rechenzentren aussperrt und die selbst betriebene Fassung das nicht tut.
DSGVO und Datenschutz
Vertragspartner ist die Plausible Insights OÜ, Västriku tn 2 in 50403 Tartu, Estland, eingetragen unter der Nummer 14709274. Das Kürzel OÜ ist die estnische Entsprechung der GmbH. Es gilt estnisches Recht, zuständig sind estnische Gerichte, der Rechtsweg bleibt also innerhalb der EU.
Die Besucherdaten liegen auf Servern von Hetzner in Falkenstein. Dazu kommen der finnische Anbieter UpCloud für Datenbank und Datenexporte sowie der slowenische Anbieter Bunny als Auslieferungsnetz. Diese 3 Unterauftragnehmer sind nach Herstellerangabe die einzigen, die Besucherdaten berühren, und sie gehören alle europäischen Firmen.
Den Auftragsverarbeitungsvertrag liest du ohne Konto und ohne Anfrage unter plausible.io/dpa, zuletzt geändert im März 2026. Er gilt laut Hersteller automatisch für jeden Kunden und braucht keine Unterschrift, der übliche Umweg über das Kundenprofil entfällt also. Inhaltlich deckt er die Pflichten aus Artikel 28 DSGVO ab und verpflichtet Plausible, eine Datenpanne innerhalb von 48 Stunden zu melden.
Personenbezogene Daten entstehen nach der Bauweise gar nicht erst, denn Plausible bildet aus IP-Adresse, Browserkennung und Domain eine Prüfsumme und löscht deren Zufallswert alle 24 Stunden. Die rohe IP-Adresse und die Browserkennung landen weder in Protokollen noch in Datenbanken. In den Daten stehen Aufrufe, Quellen und ein grober Standort, keine Inhalte. Die Datenrichtlinie schließt einen Verkauf der Daten aus, eine Nutzung für das Training von KI-Modellen führen die Unterlagen nicht auf.
Eine ISO-27001- oder SOC-2-Zertifizierung steht dagegen nirgends in den Prüfunterlagen, und wer sie in der Lieferantenprüfung zwingend braucht, wird bei Plausible nicht fündig. Für den Regelfall einer Firmen-Website in Deutschland misst der Dienst trotzdem ohne Einwilligung, mit einem namentlich benannten Rechenort und einem Vertragstext, der schon vor der Entscheidung auf dem Tisch liegt. Die Community Edition auf eurer eigenen Hardware hält die Auswertung ganz in deiner Verantwortung, dann liegt auch die Absicherung dieses Servers bei dir.
Alternativen zu Plausible Analytics
- Matomo: Matomo ist die größere quelloffene Web-Analyse und hat Heatmaps, Sitzungsaufzeichnung, Trichter und ein eigenes Verzeichnis für Erweiterungen. Der Selbstbetrieb ist kostenlos und ohne Mengenbegrenzung, die Cloud beginnt bei 29 Euro im Monat für 50.000 Zugriffe. Einrichtung und Pflege kosten spürbar mehr Zeit als bei Plausible.
- Umami: Umami ist noch schlanker als Plausible, steht unter MIT-Lizenz und hat in der Cloud einen kostenlosen Hobby-Tarif. Der Funktionsumfang ist kleiner, der Einstieg dafür der einfachste in diesem Vergleich.
Was Plausible Analytics gut kann
- Kein Einwilligungsbanner nötig, weil keine personenbezogenen Daten anfallen
- Besucherdaten bei Hetzner in Falkenstein, alle 3 Unterauftragnehmer in europäischer Hand
- Auftragsverarbeitungsvertrag ohne Anmeldung lesbar und für jeden Kunden automatisch gültig
- Zählskript mit 2,5 KB gegen 135 KB beim Skript von Google Analytics 4
- Community Edition unter AGPL-3.0 kostenlos auf eigener Hardware
Wo es hakt
- Ohne Sitzungsaufzeichnung, Heatmaps und Wiedererkennung einzelner Besucher über mehrere Tage
- Der Community Edition fehlen Trichter, Besucherpfade, Umsatzziele, zentrale Anmeldung und die Sites-API
- Kein kostenloser Cloud-Tarif, nur eine Testphase über 30 Tage
- Die Prüfunterlagen nennen weder ISO 27001 noch SOC 2
Wofür es eingesetzt wird
Reichweite ohne Einwilligungsbanner messen · Herkunft der Besucher auswerten · Mehrere Websites in einer Übersicht führen · Ziele und Umsätze einer Website messen