KI-Agenten
Hermes Agent
im Test.
Hermes Agent ist ein lernfähiger KI-Assistent von NousResearch, der auf eurer eigenen Hardware läuft. Du steuerst ihn über Telegram, WhatsApp, Slack, Signal oder E-Mail, auch per Sprachnachricht, und seit Version 0.20 zusätzlich über eine Desktop-App für macOS und Windows. Die Modellwahl bleibt dir überlassen, von Anthropic und OpenAI bis zu einem lokal betriebenen Modell.
Stand 3. August 2026
| Preismodell | Kostenlos, MIT-Lizenz, Kosten nur für KI-Anfragen und eigene Infrastruktur |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, MIT |
Ein KI-Agent ohne Gedächtnis fängt nach jeder Sitzung wieder bei null an, und du erklärst denselben Ablauf ein drittes Mal. Hermes Agent von NousResearch schreibt sich aus erfolgreich erledigten Aufgaben eigene “Skills”, also wiederverwendbare Arbeitsanleitungen, und greift beim nächsten Mal darauf zurück. Ein Wartungslauf namens Curator hält diese Sammlung sortiert. Das Repository hat über 224.000 Sterne auf GitHub, und die Entwicklung läuft schnell, allein zwischen dem 1. Juli und dem 3. August 2026 sind 3 Hauptversionen erschienen.
Wichtigste Funktionen
- Lernt aus Erfahrung: Hermes Agent merkt sich, wie er eine Aufgabe erfolgreich erledigt hat, und wendet dieses Wissen beim nächsten Mal von allein an. Du musst dieselbe Anweisung nicht zweimal geben. Mit dem Befehl
/learnmachst du außerdem aus einem Verzeichnis, einer Webadresse oder einem gerade durchgespielten Ablauf einen dauerhaften Skill. - Curator sortiert das Skill-Repertoire: Ein Hintergrundlauf zählt mit, wie oft ein selbst erstellter Skill gelesen, genutzt und nachgebessert wird, und schiebt lange ungenutzte Einträge von aktiv über veraltet bis ins Archiv. Ein Hilfsmodell schlägt Zusammenlegungen vor und legt seinen Bericht unter
~/.hermes/logs/curator/ab. Automatisch gelöscht wird nichts, und ab Werk läuft der Curator alle 7 Tage, sobald der Agent 2 Stunden im Leerlauf war. - Steuerbar per Messenger und per Stimme: Du erreichst Hermes Agent über Telegram, Discord, Slack, WhatsApp, Signal oder E-Mail, alles über einen einzigen Vermittlungsdienst. Sprachnachrichten wandelt der Agent in Text um. Seit Version 0.20 sprichst du in Echtzeit mit ihm, redest ihm mitten im Satz dazwischen und weckst ihn mit einem selbst gewählten Stichwort, ohne eine Taste zu drücken.
- Automatisierungen in natürlicher Sprache: Wiederkehrende Aufgaben beschreibst du in einem Satz, etwa “Schick mir jeden Morgen eine Zusammenfassung offener Kundenanfragen per Telegram”, und ein eingebauter Zeitplaner führt das unbeaufsichtigt aus. In die andere Richtung schickt Hermes seit Version 0.20 signierte Ereignismeldungen an eine Adresse eurer Wahl, sodass eure eigenen Systeme mitbekommen, wenn ein Auftrag fertig ist.
- Subagenten in abgeschotteten Umgebungen: Du gibst eine Aufgabe an einen eigenständigen Subagenten ab, jeweils mit eigener Konversation und eigenem Terminal. Als Unterbau stehen 7 Umgebungen zur Wahl, darunter Docker, SSH, Modal, Daytona und Vercel Sandbox, also abgeschottete Umgebungen ohne Zugriff auf den restlichen Rechner. Bei Modal und Daytona schläft die Umgebung im Leerlauf und verursacht zwischen 2 Einsätzen nur sehr geringe Kosten.
- Recherche mit belegten Quellen: Der Skill
grounded-citationsgleicht jedes Zitat mit dem tatsächlichen Text der Quellseite ab und verlinkt auf die Fundstelle. Im Prüfmodus gibst du ein fertiges Dokument hinein und bekommst für jede Aussage angezeigt, ob der Quelltext sie belegt.
Preise und Tarife
Hermes Agent steht unter der MIT-Lizenz und kostet nichts. Du zahlst nur für die KI-Nutzung und für den Server, auf dem der Agent läuft. Das Projekt selbst nennt einen kleinen Server ab etwa 4,30 Euro im Monat (5 USD) als ausreichend. Wer lokale Modelle einbindet, zahlt überhaupt keine Token-Gebühren.
Wenn du dir das Sammeln einzelner Schlüssel für Modell, Websuche, Bildgenerierung, Sprachausgabe und Browser sparen willst, deckt das Nous Portal all das über ein Abo ab. Der kostenlose Tarif gibt Zugang zum Modellkatalog mit nach Herstellerangabe über 300 Modellen; die Werkzeuge des Tool Gateway bleiben den Bezahltarifen vorbehalten. Plus kostet 17,20 Euro im Monat (20 USD), Super 86 Euro (100 USD) und Ultra 172 Euro (200 USD). Das monatliche Guthaben entspricht jeweils dem Tarifpreis, und dazu kommt ein Bonus von 1,72 Euro bei Plus, 8,60 Euro bei Super und 17,20 Euro bei Ultra (2, 10 und 20 USD).
Seit Kurzem betreibt NousResearch mit Hermes Cloud auch eigene Instanzen, noch als Vorschau und tageweise vom Portal-Guthaben abgebucht. Die kleinste Größe kostet im laufenden Betrieb 0,25 Euro pro Tag (0,29 USD), größere Zuschnitte entsprechend mehr; Modellaufrufe und Werkzeuge rechnet NousResearch zusätzlich ab. Sämtliche Beträge in diesem Abschnitt sind Nettopreise; die Umsatzsteuer kommt für deutsche Kunden noch hinzu.
Für wen ist Hermes Agent geeignet?
- Kleine Teams mit viel wiederkehrender Fleißarbeit: Tägliche Berichte, Überwachung von Beständen oder regelmäßige Zusammenfassungen richtet ihr in natürlicher Sprache ein. Die Ergebnisse landen per Telegram, WhatsApp oder E-Mail dort, wo das Team ohnehin mitliest.
- Unternehmen, die ihre Daten auf eigener Hardware halten müssen: Der Agent läuft auf eurer eigenen Hardware, und mit einem lokal betriebenen Modell bleibt die gesamte Verarbeitung dort. Bindet ihr dagegen einen externen Anbieter an, solltet ihr den Filter für personenbezogene Daten bewusst einschalten, denn ab Werk ist er aus.
- Technisch versierte Anwender mit Zugriff auf einen Server: Das Installationsprogramm bringt Python 3.11, Node.js und die übrigen Abhängigkeiten selbst mit. Unter Windows läuft Hermes Agent inzwischen auch ohne die Linux-Umgebung WSL, und für macOS und Windows gibt es eine Desktop-App. Der Dauerbetrieb als Messenger-Anlaufstelle setzt trotzdem jemanden voraus, der ein Terminal bedienen kann.
DSGVO und Datenschutz
Hermes Agent ist quelloffen und läuft auf eurer eigenen Hardware. Die Herstellerdokumentation sagt ausdrücklich, dass das Programm weder Telemetrie noch Nutzungsstatistiken erhebt und Anfragen ausschließlich an den KI-Anbieter gehen, den ihr selbst eintragt. Gespräche, Erinnerungen und Skills liegen im Ordner ~/.hermes/.
Zeichenketten, die nach API-Schlüsseln oder Zugangstoken aussehen, filtert Hermes ab Werk aus der Werkzeugausgabe heraus. Personenbezogene Daten sind davon nicht erfasst. Der zuständige Schalter privacy.redact_pii steht standardmäßig auf aus, und selbst eingeschaltet ersetzt er lediglich Nutzerkennungen durch einen Hashwert und entfernt Telefonnummern aus Messenger-Nachrichten. Namen, Anschriften oder Vertragsinhalte gehen unverändert an den Anbieter.
NousResearch sitzt in den USA. Sobald ihr OpenAI, Anthropic oder OpenRouter eintragt, verarbeitet ein Drittland eure Inhalte. Für das Nous Portal und für Hermes Cloud ist weder ein EU-Serverstandort noch ein Auftragsverarbeitungsvertrag ausgewiesen, und auf nousresearch.com steht keine öffentliche Datenschutzerklärung.
Für Vorgänge mit Kundendaten, Personalunterlagen oder Mandantenakten kommt daher nur der Betrieb mit einem lokal betriebenen Modell infrage, und privacy.redact_pii gehört vorher eingeschaltet. Mit einem Cloud-Anbieter im Rücken ist Hermes Agent für DSGVO-sensible Abläufe nicht geeignet.
Alternativen zu Hermes Agent
- n8n: Automatisierungsplattform, bei der du Abläufe visuell mit der Maus zusammensetzt. Du richtest n8n deutlich einfacher ein als Hermes Agent und bedienst es ohne Programmierkenntnisse. n8n lernt allerdings nichts aus dem Verlauf und kennt keine Steuerung per Sprachnachricht.
- Claude Code: KI-Agent von Anthropic, der bei Code- und Textaufgaben sehr gute Ergebnisse liefert und ohne eigene Infrastruktur sofort einsatzbereit ist. Selbst hosten kannst du ihn nicht, und die Anbindung an Messenger fehlt. Eine vorhandene Claude-Code-Einrichtung übernimmt Hermes Agent mit
hermes import-agent. - OpenHands: Open-Source-Agent mit Schwerpunkt Softwareentwicklung. Einen Messenger-Zugang und ein lernendes Skill-System hat er nicht, dafür eine grafische Oberfläche für Code-Aufgaben.
Wofür Hermes Agent taugt
- Lernt aus Erfahrung und erstellt automatisch wiederverwendbare Skills
- Curator sortiert das Skill-Repertoire selbständig und archiviert, statt zu löschen
- Steuerung per Messenger, Sprache und E-Mail (Telegram, Discord, Slack, WhatsApp, Signal), dazu Terminal, Desktop-App und OpenAI-kompatibler API-Server
- 7 Ausführungsumgebungen für abgeschottete Aufgaben (lokal, Docker, SSH, Singularity, Modal, Daytona, Vercel Sandbox)
- Frei in der Modellwahl, vom Cloud-Anbieter bis zum lokal betriebenen Modell
Wo es hakt
- Der Dauerbetrieb auf einem Server braucht trotz Desktop-App Terminal-Erfahrung
- Sehr schneller Veröffentlichungstakt, dabei gelegentlich Änderungen ohne Abwärtskompatibilität
- Der Filter für personenbezogene Daten ist ab Werk abgeschaltet und deckt nur Nutzerkennungen und Telefonnummern ab
- NousResearch weist weder einen EU-Serverstandort noch einen Auftragsverarbeitungsvertrag aus
Wofür es eingesetzt wird
Wiederkehrende Aufgaben automatisieren · Persönlichen KI-Assistenten auf eigener Infrastruktur betreiben · Automatisierungen per Messenger steuern · Recherchen mit belegten Quellen erstellen