KI-Agenten
Sim Studio
im Test.
Sim Studio ist eine quelloffene Plattform, auf der du KI-Agenten und ganze Arbeitsabläufe visuell zusammensetzt und sofort ausführst. Zum selben Arbeitsbereich gehören eine Wissensdatenbank, Tabellen, ein Dateispeicher und zeitgesteuerte Aufgaben, dazu über 1.000 Anbindungen an fremde Dienste. Das Projekt firmiert inzwischen als Sim und beschreibt sich selbst als KI-Arbeitsumgebung.
Stand 4. August 2026
| Preismodell | Freemium, Cloud kostenlos mit 1.000 Credits im Monat, Pro 21,50 Euro netto je Nutzer und Monat, Selbstbetrieb kostenlos |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, Apache-2.0 |
Ein Ablauf, der eine Rechnung gegen die Bestellung hält und Abweichungen an die Buchhaltung meldet, stößt in Zapier schnell an Grenzen, und in Python baut ihn nur, wer Python schreiben kann. Sim Studio setzt an dieser Stelle an. Der Baukasten ist für alle gedacht, die eine Schnittstelle verstehen, aber keine Entwicklungsumgebung einrichten wollen, und weil der Quelltext unter Apache-2.0 steht, läuft dieselbe Software auch auf einem eigenen Server. Das Projekt zählt über 29.000 Sterne auf GitHub und veröffentlicht mehrmals pro Woche eine neue Fassung, zuletzt 0.7.55 am 04.08.2026.
Wichtigste Funktionen
- Visueller Baukasten: Agenten, Schnittstellenaufrufe, Datenbanken und eigene Funktionen verbindest du auf einer Arbeitsfläche, Bedingungen und Schleifen steuern den Ablauf. Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig am selben Ablauf, seit Version 0.7.51 auch an Tabellen und Dateien.
- Mothership und Copilot: Mothership ist ein Agent über den gesamten Arbeitsbereich. Er baut Abläufe im Gespräch, führt sie aus und plant sie ein, dazu kommen Tabellenabfragen und erzeugte Dokumente. Der ältere Copilot bleibt auf einen einzelnen Ablauf beschränkt und setzt dort Bausteine aus einer Beschreibung zusammen.
- Wissensdatenbank: Dokumente liegen in der plattformeigenen PostgreSQL-Datenbank samt der Vektor-Erweiterung pgvector, Agenten antworten anschließend daraus. Die Umrechnung der Texte in durchsuchbare Zahlenwerte, die Einbettung, läuft über OpenAI, Azure OpenAI oder Gemini, voreingestellt ist text-embedding-3-small.
- Tabellen, Dateien und geplante Aufgaben: Strukturierte Daten, ein gemeinsamer Dateispeicher und wiederkehrende Läufe liegen im selben Arbeitsbereich wie die Abläufe. Damit fällt der Umweg über eine getrennte Datenbank weg, solange die Mengen überschaubar bleiben.
- Anbindung an Sprachmodelle: Sim Studio bindet die Modelle von OpenAI, Anthropic, Mistral und Google an, dazu lokale Modelle über einen selbst betriebenen Endpunkt. Hinterlegst du eigene Schlüssel, rechnet der Modellanbieter direkt mit dir ab, ohne Aufschlag von Sim.
- Auslöser und Veröffentlichung: Abläufe starten über ein Chat-Fenster, eine REST-Schnittstelle, einen Webhook, einen Zeitplan oder Ereignisse aus Slack und GitHub. Einen fertigen Ablauf stellst du als Schnittstelle bereit, als Chat-Anwendung oder als MCP-Server für andere KI-Werkzeuge.
Preise und Tarife
Die Cloud auf sim.ai kennt 4 Stufen. Kostenlos sind 1.000 Credits im Monat, 1 Arbeitsbereich, 10 gleichzeitige Ausführungen, 5 GB Speicher und 30 Tage Protokollhaltung. Pro kostet umgerechnet rund 21,50 Euro je Nutzer und Monat (25 USD) und hebt das auf 6.000 Credits, 3 Arbeitsbereiche, 50 gleichzeitige Ausführungen und 50 GB. Max liegt bei etwa 86 Euro (100 USD) mit 25.000 Credits, unbegrenzten Arbeitsbereichen und 500 GB, dazu kommen der Posteingang Sim Mailer, der Live-Abgleich der Wissensdatenbank und Slack Connect.
Bei jährlicher Zahlung zieht der Hersteller 15 % ab. Den Preis der Enterprise-Stufe verhandelt Sim einzeln, sie enthält die zentrale Anmeldung über den Firmenzugang (SSO), eine feinere Zugriffssteuerung und einen festen Ansprechpartner. Jede Ausführung kostet eine Grundgebühr plus die Modellkosten nach ein- und ausgehenden Tokens. Mit eigenen Anbieterschlüsseln entfällt dieser Aufschlag.
Der Selbstbetrieb kostet nichts, Apache-2.0 kennt keine Nutzerstaffel, und ohne aktivierte Abrechnung greift auch keine der Tarifgrenzen. Kosten entstehen dort nur für die Hardware und für die Rechnungen der angebundenen Modellanbieter. Die Dokumentation nennt zum Testen 2 Kerne und 12 GB Arbeitsspeicher, für ein Team 4 Kerne und 16 GB, im Produktivbetrieb 8 Kerne und 32 GB aufwärts. Sim weist alle Beträge ohne Umsatzsteuer aus, die für deutsche Kunden also noch hinzukommt.
Für wen ist Sim Studio geeignet?
- Fachbereiche ohne eigenes Entwicklerteam: Wer einen Agenten für einen internen Ablauf braucht, aber niemanden hat, der dafür Python schreibt, kommt über die Arbeitsfläche zu einem lauffähigen Ergebnis. Die Anbindungen an Slack, Notion, HubSpot und Salesforce sind fertig verdrahtet.
- Entwicklerteams für schnelle Entwürfe: Einen Ablauf steckst du sichtbar zusammen und probierst ihn aus, bevor er in eigenen Code wandert. Die REST-Schnittstelle und die Bereitstellung als MCP-Server machen aus dem Versuch ohne Umbau einen Dienst.
- IT-Abteilungen mit Vorgaben zu Zugriff und Protokollierung: Der Selbstbetrieb bringt SSO über SAML und OIDC, Zugriffsgruppen, Prüfprotokolle und Sitzungsregeln mit, freigeschaltet über 2 Umgebungsvariablen und ohne Enterprise-Vertrag. In der Cloud gibt es dieselben Funktionen erst in der teuersten Stufe.
DSGVO und Datenschutz
Hinter Sim steht die Sim, Inc. mit Sitz in San Francisco. Die Datenschutzerklärung sagt ausdrücklich, dass Daten in die Vereinigten Staaten übertragen und dort verarbeitet werden, eine europäische Region ist in keinem Tarif buchbar. Zum Training von KI-Modellen legt sich das Dokument nur bei Daten aus den Google-Anbindungen fest, die Sim dafür nicht verwendet. Für Abläufe, hochgeladene Dokumente und die Wissensdatenbank fehlt eine solche Zusage.
Einen Auftragsverarbeitungsvertrag haben wir am 04.08.2026 nirgends gefunden, weder unter einer eigenen Adresse noch in Datenschutzerklärung oder Nutzungsbedingungen. Auch die Vertrauensseite trust.sim.ai führt keinen, ihre Liste der Unterauftragnehmer ist leer, und als einziges Dokument liegt dort ein Auftragsschreiben des Prüfdienstleisters. Auf der Unternehmensseite wirbt der Hersteller trotzdem mit dem US-Prüfstandard SOC 2 für den Umgang mit Kundendaten, einen Prüfbericht legt er aber nirgends vor. Als Recht gelten US-Bundesrecht und ein Schiedsverfahren bei der US-Schiedsstelle JAMS.
Der Selbstbetrieb ist deutlich besser aufgestellt. Eine Anmeldung ist ab Werk Pflicht, die eingebaute Nutzungsmessung läuft nur mit ausdrücklich gesetztem Schlüssel, und die Dokumentation hält fest, dass für den Betrieb keine Verbindung zu sim.ai nötig ist. Ausgenommen davon ist das Chat-Modul mit Mothership, den geplanten Aufgaben und dem Posteingang. Es braucht einen Schlüssel vom Hersteller, ohne ihn blendest du es über eine Umgebungsvariable aus.
Die Wissensdatenbank rechnet ihre Einbettungen ausschließlich bei OpenAI, Azure OpenAI oder Gemini, der Dokumententext geht also an einen dieser 3 Anbieter. Für Verarbeitungen mit Personenbezug ist die gehostete Fassung damit keine Grundlage, solange der Auftragsverarbeitungsvertrag fehlt. Der Selbstbetrieb ist dagegen tragfähig, wenn du den Modellanbieter selbst bestimmst, das Chat-Modul abschaltest und für die Einbettung eine europäische Region bei Azure OpenAI festlegst. Den fehlenden Vertrag mit Sim ersetzen dann deine eigenen Verträge mit diesen Anbietern.
Alternativen zu Sim Studio
- n8n: Automatisiert Arbeitsabläufe breiter und ist ebenfalls quelloffen und selbst betreibbar, mit deutlich größerer Gemeinschaft. Auf mehrstufige Agenten ist n8n weniger zugeschnitten.
- Langflow: Visueller Baukasten für Sprachmodell-Abläufe mit Schwerpunkt auf Wissensdatenbanken und Chatbots. Das Projekt ist älter und reifer, sobald mehrere Agenten ineinandergreifen, bleibt es hinter Sim Studio zurück.
- CrewAI: Steuert Agenten im Code und ist für Entwicklerteams mächtiger, eine Arbeitsfläche zum Klicken gibt es dort nicht. Das passt, wenn Versionsverwaltung und Testbarkeit schwerer wiegen als eine Oberfläche.
Wofür Sim Studio taugt
- Visueller Baukasten für Agenten und Abläufe mit über 1.000 Anbindungen
- Selbstbetrieb per Docker Compose oder Kubernetes, Anmeldung ab Werk Pflicht
- SSO, Zugriffsgruppen und Prüfprotokolle auch im Selbstbetrieb ohne Aufpreis
- Lokale Modelle über einen eigenen Endpunkt anbindbar
- Keine Telemetrie ab Werk, Quelltext unter Apache-2.0
Wo es hakt
- Kein Auftragsverarbeitungsvertrag auffindbar, die Cloud verarbeitet in den USA
- Wissensdatenbank rechnet ihre Einbettungen nur bei OpenAI, Azure OpenAI oder Gemini
- Chat-Modul verlangt auch im Selbstbetrieb einen Schlüssel von sim.ai
- 12 GB Arbeitsspeicher als Mindestausstattung für den eigenen Server
Wofür es eingesetzt wird
Agenten für wiederkehrende Abläufe · Automatisierung von Geschäftsprozessen · Wissensdatenbank mit eigenen Dokumenten · Zeitgesteuerte Aufgaben und Auswertungen