Lokale Inferenz
OpenRouter
im Test.
OpenRouter bündelt über 400 Sprachmodelle von mehr als 70 Anbietern hinter einer einzigen Schnittstelle, darunter die Modelle von OpenAI, Anthropic, Google, Meta, Mistral und DeepSeek. Ein Endpunkt im OpenAI-Format ersetzt die einzelnen Zugangsschlüssel und Aufrufformate der Anbieter, das aktive Modell wechselst du per Parameter im Aufruf. Du zahlst alles über ein gemeinsames Guthaben.
Stand 4. August 2026
| Preismodell | Freemium, Gratis-Modelle mit 50 Anfragen am Tag, sonst Abrechnung nach Verbrauch mit 5,5 % Gebühr beim Aufladen des Guthabens |
|---|---|
| Betriebsort | Cloud |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | nein |
OpenRouter ist ein Vermittler und betreibt selbst keine Modelle. Die Firma nimmt deine Anfrage entgegen und reicht sie an den Anbieter weiter, bei dem das gewünschte Modell läuft, etwa Anthropic, OpenAI, Google, DeepSeek oder Cerebras. Du brauchst dafür nur ein Konto und ein Guthaben statt eines eigenen Vertrags je Anbieter. Wo eine Anfrage am Ende landet, bestimmst du über Regeln, und davon hängt ab, ob der Einsatz datenschutzrechtlich zulässig ist.
Wichtigste Funktionen
- Eine Schnittstelle für über 400 Modelle: Anfragen gehen im Format der OpenAI-Schnittstelle an einen einzigen Endpunkt, der Modellname steht als Parameter im Aufruf. Für den Wechsel von Claude Opus 5 auf Gemini 3.5 Flash änderst du eine Zeile.
- Fusion, die Beratung mehrerer Modelle: Seit dem 12.06.2026 schickt OpenRouter unter dem Modellnamen
openrouter/fusiondieselbe Anweisung gleichzeitig an mehrere Modelle. Ein weiteres Modell vergleicht die Antworten und meldet zurück, worin sie übereinstimmen, wo sie sich widersprechen und was keines von ihnen behandelt hat. Auf dem hauseigenen Rechercheprüfstand DRACO kam ein Zweiergespann aus Claude Fable 5 und GPT-5.5 auf 69,0 % gegenüber 65,3 % für das stärkste Einzelmodell. - Schutzregeln vor dem Weiterreichen: Diese Regeln, bei OpenRouter Guardrails genannt, prüfen jede Anfrage, bevor sie den Modellanbieter erreicht. Wahlweise ersetzen sie E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Kreditkartennummern und Namen durch Platzhalter oder weisen die Anfrage ganz ab. Über denselben Weg setzt du Ausgabegrenzen je Tag, Woche oder Monat und schränkst die Auswahl an Modellen und Anbietern ein.
- Ausweichen bei Ausfall: Fällt ein Anbieter aus, versucht OpenRouter denselben Modellnamen bei einem anderen. Leere und fehlgeschlagene Antworten stehen nicht auf der Rechnung. Die Absicherung ist ab Werk eingeschaltet.
- Kostenverfolgung je Zugangsschlüssel: Jeder Schlüssel bekommt eine eigene Guthabengrenze, die sich täglich, wöchentlich oder monatlich zurücksetzt. Ein Klassifizierer ordnet jede Anfrage nachträglich einer Abteilung oder Aufgabenart zu, sodass du die Kosten nach Fachbereich auswerten kannst. Die Protokolle gehen auf Wunsch an Langfuse, Datadog, Grafana oder einen S3-Speicher.
- Modellvergleich mit eigenen Aufgaben: Ori Eval, seit dem 03.08.2026 verfügbar, lässt den eigenen Coding-Agenten aus dem laufenden Projekt einen Testfall bauen und mehrere Modelle daran messen. Am Ende steht eine Punktzahl je Modell für genau diese Aufgabe.
Preise und Tarife
Auf die Token-Preise der Anbieter schlägt OpenRouter nichts auf. Claude Opus 5 kostet über OpenRouter 4,30 Euro je Million Eingabe-Token und 21,50 Euro je Million Ausgabe-Token (5 und 25 US-Dollar), also dieselben Beträge wie bei Anthropic direkt (Stand 04.08.2026). Die Gebühr fällt stattdessen beim Aufladen des Guthabens an und beträgt 5,5 % bei Kartenzahlung, mindestens 0,69 Euro (0,80 US-Dollar), oder 5 % bei Zahlung in der Kryptowährung USDC.
Wer schon Verträge mit einzelnen Anbietern hat, hinterlegt deren Schlüssel und zahlt für die ersten 1 Million Anfragen im Monat nichts, danach 5 % dessen, was dasselbe Modell über OpenRouter gekostet hätte. Ungenutztes Guthaben darf OpenRouter laut Nutzungsbedingungen nach einem Jahr verfallen lassen.
Gratis nutzbar sind 14 Modellfassungen mit dem Namenszusatz :free, darunter Gemma 4, GPT-OSS 20B und mehrere Nemotron-Varianten (Stand 04.08.2026). Ohne Guthaben sind 20 Anfragen je Minute und 50 am Tag erlaubt, ab 10 Credits Guthaben steigt die Tagesgrenze auf 1.000.
Eine öffentliche Preisliste für Firmenkunden gibt es nicht. Zum Firmentarif gehören Rechnungsstellung mit Mengenrabatt auf die Gebühr, eine Kreditlinie für den Weiterbetrieb bei negativem Konto, zentrale Anmeldung samt Nutzerverwaltung, Verfügbarkeitszusagen und die EU-Route. Den Tarif buchst du über den Vertrieb.
OpenRouter rechnet durchgängig in US-Dollar und weist alle Beträge netto aus. Deutsche Kunden zahlen die Umsatzsteuer zusätzlich.
Für wen ist OpenRouter geeignet?
- Entwicklungsteams, die Modelle gegeneinander testen: Dieselbe Aufgabe an Claude, GPT, Gemini und ein offenes Modell zu schicken kostet hier einen Parameterwechsel. Ohne Vermittler stünde für jeden dieser Anbieter ein eigener Vertrag samt Zugangsschlüssel und Aufrufformat an.
- IT-Abteilungen mit vielen kleinen KI-Anwendungen: Jede Anwendung bekommt einen eigenen Zugangsschlüssel samt Ausgabegrenze, und der Klassifizierer zeigt hinterher, welche Abteilung wie viel verbraucht hat. Das ersetzt die Sammlung einzelner Anbieterrechnungen.
- Projekte ohne personenbezogene Daten: Codegenerierung oder die Auswertung öffentlicher Quellen laufen hier ohne Bedenken. Für Mandanten-, Patienten- oder Personaldaten reicht der Standardweg nicht.
DSGVO und Datenschutz
Vertragspartner ist die OpenRouter, Inc. mit Sitz in New York (169 Madison Avenue). Die Nutzungsbedingungen unterliegen dem Recht des Staates New York, der Schiedsort liegt ebenfalls dort. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag veröffentlicht OpenRouter im Volltext (Fassung vom 05.05.2026), er gilt bereits mit der Nutzung des Dienstes und bindet die EU-Standardvertragsklauseln in Modul 2 ein, mit irischem Recht und den Gerichten in Dublin. Derselbe Vertrag benennt in der Sicherheitsbeschreibung auch den Betriebsort, nämlich die US-Regionen der Google Cloud Platform.
Eine EU-Route gibt es, sie steht aber nur Firmenkunden auf Anfrage offen und läuft über die eigene Adresse eu.openrouter.ai. OpenRouter sagt dafür zu, dass Anfragen ausschließlich innerhalb der EU entschlüsselt und nur an Anbieter mit Betrieb in der EU weitergereicht werden. In den Selbstbedienungstarifen kannst du diese Route nicht buchen, auch nicht je Zugangsschlüssel.
Zero Data Retention, also den Verzicht des Anbieters auf jede Speicherung, erzwingst du kontoweit, für einzelne Modellgruppen, innerhalb einer Schutzregel oder direkt im Aufruf. Die Einstellung beschränkt die Auswahl dann auf Endpunkte, die nach Angabe des jeweiligen Anbieters nichts aufbewahren, und wirkt damit als Auswahlregel unter den Anbietern. Verantwortlich für die Zusage bleibt der Anbieter selbst. Bei Zusatzwerkzeugen wie der eingebauten Websuche greift die Einstellung laut Dokumentation ausdrücklich nicht.
Das Training auf Eingaben schaltest du in den Kontoeinstellungen ab, getrennt für bezahlte und für Gratis-Modelle, weil sich bei den Gratis-Modellen einzelne Anbieter die Auswertung vorbehalten. Eine SOC-2-Type-2-Prüfung liegt vor, den Bericht und die Liste der Unterauftragnehmer gibt OpenRouter nur nach Freigabe über trust.openrouter.ai heraus.
Für personenbezogene Daten reicht der Standardweg damit nicht. Der Betrieb läuft nach dem eigenen Vertrag in US-Regionen, die EU-Route hängt am Firmentarif und an einer Anfrage beim Vertrieb, und auch dann bleibt ein US-Unternehmen nach New Yorker Recht der Vertragspartner. Ohne Personenbezug bleibt der Dienst brauchbar, sonst führt der Weg über einen europäischen Anbieter.
Alternativen zu OpenRouter
- LiteLLM: Quelloffen, nutzt dasselbe Schnittstellenformat und läuft im eigenen Docker-Container. Du bestimmst selbst, welche Anbieter überhaupt erreichbar sind, und trägst dafür den Betriebsaufwand.
- Melious: Der deutsche Vermittler ist genauso aufgebaut, spricht aber ausschließlich europäische Anbieter an und hat einen öffentlichen Auftragsverarbeitungsvertrag. Der Rechenort je Modell ist im Standardbetrieb allerdings ebenfalls nicht festgelegt.
- IONOS AI Model Hub: Hinter dem Angebot steht ein einzelner deutscher Anbieter mit offenen Modellen aus dem Berliner Rechenzentrum. Die Modellauswahl ist deutlich kleiner, der Rechenort dafür eindeutig belegt.
Wofür OpenRouter taugt
- Über 400 Modelle von mehr als 70 Anbietern über eine Schnittstelle
- Kein Aufschlag auf die Token-Preise der Anbieter
- Schutzregeln erkennen personenbezogene Angaben vor dem Weiterreichen
- Budgetgrenzen je Zugangsschlüssel mit täglichem, wöchentlichem oder monatlichem Zurücksetzen
Wo es hakt
- Betrieb läuft nach dem eigenen Auftragsverarbeitungsvertrag in US-Regionen der Google Cloud
- EU-Route nur für Firmenkunden auf Anfrage, nicht in den Selbstbedienungstarifen buchbar
- 5,5 % Gebühr auf jede Aufladung des Guthabens
- Ungenutztes Guthaben darf nach einem Jahr verfallen
Wofür es eingesetzt wird
Einheitliche Schnittstelle für mehrere Modellanbieter · Modellvergleich mit denselben Aufgaben · Kostenverfolgung und Budgetgrenzen · Ausweichen bei Anbieterausfall · Erste Versuche mit Gratis-Modellen