Kimi K3.1 Pro kommt fast an Claude Opus heran
Moonshot AI hat am 23. Oktober 2026 Kimi K3.1 Pro vorgestellt. Unabhängig gemessen liegt es 3 Punkte hinter Claude Opus 5.5 und vor GPT-6 Astra, zum halben Listenpreis von Opus. Ob Unternehmen in der EU es datenschutzgerecht einsetzen können, hängt an den Gewichten und ihrer Lizenz. Die Gewichte hat Moonshot bis zum 4. November angekündigt.
Kimi K3.1 Pro von Moonshot AI aus Peking ist am 23. Oktober 2026 erschienen und liegt in der unabhängigen Messung von Artificial Analysis nur 3 Punkte hinter Claude Opus 5.5, dem stärksten Modell von Anthropic. Die Spitzenmodelle von OpenAI und Google hat es dort hinter sich gelassen. Neu ist das vor allem, weil Moonshot die Gewichte des Modells bis zum 4. November veröffentlichen will (Moonshot). Gewichte sind die Zahlenwerte, die ein Modell beim Training gelernt hat, gespeichert in Dateien. Wer sie hat, kann das Modell auf eigenen Servern betreiben, soweit die Lizenz es erlaubt.
Für Unternehmen in der EU steckt darin die eigentliche Nachricht. Ein Modell, dessen Gewichte frei verfügbar sind, kann auch ein Rechenzentrum in Deutschland anbieten. Dann stünde ein Modell nahe der amerikanischen Spitze bereit, bei dem die Daten die EU nicht verlassen müssen.
Wie nah Kimi K3.1 Pro an Opus herankommt
Herstellerzahlen helfen beim Vergleich wenig, weil der Hersteller selbst wählt, welche Tests er zeigt. Wir halten uns deshalb an Artificial Analysis. Das unabhängige Analyseunternehmen fasst die Ergebnisse vieler Tests vom Programmieren bis zu Wissensfragen auf Expertenniveau in einem Intelligenz-Index zusammen. Manche Modelle stehen mehrfach in der Liste, weil man ihnen unterschiedlich viel Rechenaufwand je Antwort erlauben kann. Mehr Aufwand heißt mehr erzeugte Token, die bezahlt werden. Bei Opus steigt der Wert dabei von 54 auf 58.
Quelle: Rangliste von Artificial Analysis, abgerufen am 26.10.2026. Die Skala beginnt bei 50. Die Punkte sind keine Prozentwerte, 3 Punkte Abstand heißt nicht 3 % schlechter.
Vor Kimi K3.1 Pro liegen damit nur Modelle von Anthropic und Meta. Wie groß der Sprung ist, zeigt der Vorgänger: Kimi K3 aus dem Juli kam auf 44 Punkte. Das stärkste Modell mit offenen Gewichten in unserem Modellvergleich, MiMo-V2.6-Pro von Xiaomi, erreicht 46.
Gleichwertig ist Kimi deshalb nicht in jeder Aufgabe. In den Einzeltests des Index liegt Opus bei Wissens- und Physikfragen vorn, Kimi bei Geschäftsabläufen, Fachdokumenten und der Kommandozeile.
| Test | Claude Opus 5.5 | Kimi K3.1 Pro |
|---|---|---|
| Humanity's Last Exam, Wissensfragen auf Expertenniveau | 61 % | 52 % |
| CritPt, Aufgaben aus der Physikforschung | 32 % | 25 % |
| AutomationBench-AA, Abläufe in Geschäftsanwendungen | 70 % | 73 % |
| GDP.pdf, Arbeit mit Fachdokumenten | 26 % | 31 % |
| Terminal-Bench 4.0, Aufgaben über die Kommandozeile eines Computers | 60 % | 67 % |
Gemessen von Artificial Analysis, Opus in der höchsten Stufe, abgerufen am 27.10.2026. Fett ist jeweils der bessere Wert. Moonshot selbst nennt für Terminal-Bench 4.0 andere Zahlen, dort liegen beide fast gleichauf (Moonshot).
Bezahlte Begeisterung?
Dass wir die unabhängige Messung so betonen, hat noch einen Grund. VentureBeat berichtet über Screenshots angeblicher Kampagnenanweisungen, die ein Nutzer auf X veröffentlicht hat. Danach sollten Influencer Kimi als Ersatz für Opus zum Bruchteil des Preises darstellen und ihre Beiträge nicht als bezahlte Werbung kennzeichnen. Ob die Screenshots echt sind und wer dahintersteht, ist ungeklärt. Wer in den nächsten Wochen begeisterte Beiträge über Kimi liest, sollte trotzdem auf die Quelle der Zahlen achten.
Was die offenen Gewichte für den Datenschutz ändern
Heute bietet Moonshot das Modell selbst an, über Kimi.com und seine Programmierschnittstelle. Ein anderer Anbieter, der es selbst betreibt, ist uns nicht bekannt. Die Gewichte sind noch nicht veröffentlicht. Laut der internationalen Datenschutzerklärung von Moonshot stehen die Server in Singapur (VentureBeat). Für Singapur wie für China fehlt ein Angemessenheitsbeschluss der EU. Wer personenbezogene Daten dorthin schickt, braucht deshalb eigene Garantien und eine Prüfung der Rechtslage im Zielland. Daran ändert auch nichts, dass Moonshot für die Schnittstelle anbietet, Anfragen nicht zu speichern. Wir raten davon ab, personenbezogene Daten auf diesem Weg zu verarbeiten.
Mit den Gewichten kann sich das ändern. Erlaubt die Lizenz es, kann ein europäischer Rechenzentrumsbetreiber Kimi K3.1 Pro anbieten wie jeden anderen Dienst, mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Servern in der EU. Eine Verbindung zu Moonshot braucht das Modell dann nicht. Den Vorgänger K3 betreiben in der EU heute TensorX, LLMBase und Lyceum (Modellseite Kimi K3.1 Pro). Für K3.1 Pro haben wir noch keinen europäischen Anbieter gefunden.
Datenschutzgerecht ist ein Modell also nicht von sich aus. Es kommt darauf an, wer es betreibt und wo. Offen ist auch noch die Lizenz, Moonshot hat sie für K3.1 Pro nicht genannt. K3 steht unter einer eigenen Kimi-K3-Lizenz. Bietet ein Unternehmen oder eines seiner verbundenen Unternehmen Sprachmodelle als Dienst an und setzen sie zusammen in 12 Monaten mehr als 20 Millionen US-Dollar um, braucht es danach eine gesonderte Vereinbarung mit Moonshot. Produkte mit mehr als 100 Millionen monatlich aktiven Nutzern oder mehr als 20 Millionen US-Dollar Umsatz im Monat müssen den Namen Kimi K3 sichtbar zeigen. Für die rein interne Nutzung gilt beides nicht. Ob für K3.1 Pro dieselben Bedingungen gelten, steht noch aus.
Im eigenen Serverraum werden nach unserer Einschätzung nur wenige Unternehmen Kimi K3.1 Pro betreiben. Das Modell hat rund 2,8 Billionen Parameter, also gelernte Zahlenwerte (Artificial Analysis). Die Gewichte des gleich großen Vorgängers K3 belegen 1,56 Terabyte (Simon Willison). Selbst stark verkleinert auf 2 Bit je Parameter bleiben rund 700 Gigabyte, die beim Betrieb in den Arbeitsspeicher müssen. Das übersteigt übliche Workstations bei Weitem. Der realistische Weg ist deshalb ein Anbieter in der Cloud. Wer Modelle selbst betreiben will, findet kleinere offene Modelle in unserem Beitrag Lokale LLMs im Vergleich.
Opus und Kimi K3.1 Pro im Vergleich
| Merkmal | Claude Opus 5.5 | Kimi K3.1 Pro |
|---|---|---|
| Intelligenz-Index | 58 in der höchsten Stufe | 55 |
| Preis je 1 Mio. Token, Eingabe und Ausgabe | rund 3,57 und 17,87 Euro | rund 1,79 und 8,93 Euro |
| Kosten je Aufgabe im Index-Lauf | rund 5,34 Euro | rund 1,89 Euro |
| Ausgabegeschwindigkeit | 98 Token je Sekunde | 41 Token je Sekunde |
| In EU-Rechenzentren nutzbar | ja, über Amazon Bedrock | bisher kein Anbieter bekannt |
| Selbst betreiben | nicht möglich | Gewichte bis 4. November angekündigt, Lizenz offen |
| Anbieter | Anthropic, USA | Moonshot AI, China |
Stand 27.10.2026. Listenpreise von Anthropic mit 4 und 20 US-Dollar und von Moonshot nach Artificial Analysis mit 2 und 10 US-Dollar. Kosten je Aufgabe und Geschwindigkeit hat Artificial Analysis gemessen, mit 5,98 und 2,11 US-Dollar, Opus in der höchsten Stufe. Alle Preise als Richtwert umgerechnet mit dem EZB-Referenzkurs vom 23.10.2026 (1,1193). Token sind die Textbausteine, nach denen KI-Anbieter abrechnen. Ein europäischer Anbieter wird für Kimi einen eigenen Preis verlangen.
Claude Opus 5.5
Dafür spricht vor allem, dass es heute schon geht. Über Amazon Bedrock lässt sich Opus 5.5 so aufrufen, dass die Anfragen nur in Rechenzentren in der EU bearbeitet werden, etwa in Frankfurt, Paris oder Stockholm (AWS). Bei schwierigen Fach- und Wissenschaftsfragen liegt Opus in den Tests klar vorn.
Dagegen spricht der Preis. Je Token kostet Opus doppelt so viel. Weil es in der höchsten Stufe zudem mehr Token erzeugt, kostete eine Aufgabe im Index-Lauf fast 3-mal so viel wie mit Kimi. Dazu kommt die Abhängigkeit. Anthropic entscheidet, wann ein Modell abgelöst wird. AWS nennt für Opus 5.5 den 22. September 2027 als frühestes Ende der Unterstützung. Und Anthropic wie Amazon sind amerikanische Firmen. Sie unterliegen dem US CLOUD Act, nach dem US-Behörden unter Umständen auch Daten in europäischen Rechenzentren anfordern können (18 U.S.C. § 2713). Ob das für die eigenen Daten vertretbar ist, muss jedes Unternehmen selbst bewerten.
Kimi K3.1 Pro
Dafür spricht, dass man nach der Freigabe der Gewichte nicht mehr auf einen einzigen Anbieter angewiesen ist. Wer die Gewichte hat, kann das Modell im Rahmen der Lizenz weiter betreiben, auch wenn Moonshot längst ein neues herausgebracht hat. Bieten mehrere Rechenzentren dasselbe Modell an, lässt sich der Anbieter wechseln, ohne die Anwendung auf ein anderes Modell umzustellen.
Dagegen spricht heute noch, dass das meiste davon erst kommt. Bis dahin reicht es zum Ausprobieren mit Daten, die nicht geschützt werden müssen. Außerdem antwortet Kimi langsam. Mit 41 Token je Sekunde liegt es bei Artificial Analysis auf Platz 186 von 192 und braucht für dieselbe Antwortlänge mehr als doppelt so lange wie Opus.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Indexwerte allein sind kein Grund, eine laufende Anwendung von Opus umzustellen. Interessant wird Kimi K3.1 Pro für Unternehmen, die ein starkes Modell ohne Abhängigkeit von einem US-Anbieter suchen oder denen Opus für ihre Mengen zu teuer ist.
Mit Firmendaten arbeitet das Modell erst, wenn diese 4 Punkte geklärt sind.
- Gewichte
- Hat Moonshot sie wie angekündigt veröffentlicht?
- Lizenz
- Unter welchen Bedingungen erlaubt sie die geplante Nutzung?
- Anbieter
- Betreibt ein Rechenzentrum in der EU das Modell mit Auftragsverarbeitungsvertrag? Welche Unterauftragnehmer haben Zugriff?
- Eigene Probe
- Wie schneiden Qualität und Kosten an den eigenen Aufgaben ab, verglichen mit dem bisherigen Modell?
Dafür hilft es, eine KI-Anwendung so zu bauen, dass sich das Modell austauschen lässt. Wie man ein Modell für die eigenen Aufgaben auswählt, beschreibt unser Beitrag KI-Modell für das Unternehmen auswählen.