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ERPNext
im Test.
ERPNext ist ein ERP von Frappe Technologies aus Indien, mit Modulen für Vertrieb, Einkauf, Lager, Fertigung, Projekte und Buchhaltung. Es läuft auf dem Frappe Framework, auf derselben Instanz wie weitere Apps des Herstellers, etwa die Personal-App HRMS. Über die REST-Schnittstelle und den eingebauten MCP-Server erreichen eigene KI-Agenten die Geschäftsdaten mit den Rechten eines Benutzers.
| Preismodell | Freemium, Software kostenlos (GPL-3.0), ohne Nutzerpreis / Frappe Cloud nach CPU-Zeit ab 5 USD im Monat, mit Marktplatz-Apps ab 25 USD |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, GPL-3.0 |
Bei Odoo Enterprise zahlt eine Firma je Nutzer und Monat. Die externe API, über die eigene Software oder KI-Agenten zugreifen, gibt es dort erst im teureren Custom-Tarif. ERPNext verlangt weder Lizenzgebühren noch einen Preis je Nutzer. Kosten entstehen für Server oder Frappe Cloud und für die Einführung.
Wichtigste Funktionen
- ERPNext bildet den Weg vom Angebot über Auftrag, Lieferschein und Rechnung bis zur Zahlung ab, dazu Einkauf, Lagerführung, Projekte mit Zeiterfassung und eine doppelte Buchführung. Fertigung mit Stücklisten, Arbeitsaufträgen und Materialplanung gehört zum selben System und kostet nichts extra.
- Version 16 erschien am 12.01.2026, gut 2 Jahre nach Version 15. Sie brachte eine überarbeitete Oberfläche, frei gestaltbare Vorlagen für Bilanz und GuV und mehr Möglichkeiten in der Fertigung, etwa Phantom-Stücklisten und Lohnfertigung im Auftrag von Kunden. Seit April 2026 sind 50 Wartungsversionen erschienen, zuletzt 16.53.0 am 28.10.2026.
- Jede Objektart, ob Kunde, Rechnung oder Arbeitsauftrag, ist im darunterliegenden Frappe Framework ein sogenannter DocType. Er legt Felder, Beziehungen und Rechte als Daten in der Datenbank ab. Daraus erzeugt das System Oberfläche, REST-Schnittstelle und Rechteprüfung. Eigene Software liest und schreibt über die Schnittstelle deshalb jede Objektart, auch selbst angelegte, mit denselben Rechten wie in der Oberfläche.
- Seit Frappe 16.53 vom 22.10.2026 ist ein MCP-Server eingebaut und auf neuen Instanzen ab Werk eingeschaltet. MCP, das Model Context Protocol, ist ein offenes Protokoll, über das KI-Assistenten wie Claude auf andere Systeme zugreifen. Der Server stellt 13 Werkzeuge bereit, mit denen ein Agent Objektarten findet, ihre Felder abfragt und Dokumente liest, anlegt, ändert oder löscht. Er arbeitet mit den Rechten des Benutzers, der sich per OAuth oder API-Schlüssel anmeldet. Das ältere Zusatzprojekt
frappe/mcpist archiviert und verweist seit dem 27.10.2026 auf den eingebauten Server. - Fertige Werkzeuge je Fachbereich bringt der Community-Server
mcp-erpnextvon Casys AI mit, laut seiner Werkzeugliste 128 Stück in 15 Bereichen von Verkauf und Einkauf über Fertigung bis Personal. In KI-Assistenten, die solche Ansichten unterstützen, zeigt er Rechnungen, Lagerbestände oder einen Verkaufstrichter direkt im Gespräch. Welche Bereiche und Werkzeuge er anbietet, begrenzt du über Einstellungen. - Eine KI bringt ERPNext selbst nicht mit. Nach den Worten von Frappe-Gründer Rushabh Mehta ist das Absicht. Er schrieb im Mai 2026, Sprachmodelle gehörten nicht in die Abläufe der Anwendungen, sie sollten außen ansetzen und optional bleiben. Welches Modell du anbindest, entscheidest du selbst, ein Cloud-Modell wie Claude ebenso wie ein lokales Modell in einem Programm, das MCP beherrscht.
- Für Deutschland ergänzt die Leipziger Firma ALYF ERPNext um eigene Apps.
eu_einvoiceerzeugt und liest E-Rechnungen im Format CII in den Profilen BASIC, EN 16931, EXTENDED und XRechnung, alle außer XRechnung auch eingebettet als ZUGFeRD-PDF. Das Format UBL und der Versand über Peppol fehlen.erpnext_germanyliefert Summen- und Saldenliste, Zusammenfassende Meldung, eine Prüfung der EU-USt-IDs alle 3 Monate und den Datenexport für die Betriebsprüfung nach § 147 Abs. 6 AO. Die Reisekostenabrechnung der App setzt die Personal-App HRMS voraus. - Bei der Buchhaltung liegen die Lücken, die deutsche Firmen vor der Entscheidung prüfen sollten. ERPNext selbst enthält keine DATEV-Schnittstelle. Die Community-App
erpnext_datevvon ALYF exportiert die Buchungen als DATEV-CSV für den Steuerberater und schickt Belege per E-Mail an DATEV Unternehmen Online. Ein GoBD-Testat für ERPNext haben wir nicht gefunden. Vorlagen für SKR03 und SKR04 liegen ERPNext bei. Die SKR03-Vorlage ist eine Auswahl von rund 100 nummerierten Konten, die SKR04-Vorlage mit gut 1.000 Konten wurde seit 2023 nicht mehr geändert. Konten, die darüber hinaus gebraucht werden, legst du selbst an. Gepflegt hat beide Vorlagen zuletzt ein Entwickler von ALYF. Die deutschen Erweiterungen und die Kontenrahmen kommen damit im Wesentlichen von einem einzigen Anbieter. - Neben ERPNext laufen auf derselben Frappe-Instanz weitere Apps des Herstellers, etwa CRM, Helpdesk, Personal und Projektarbeit. Sie teilen Anmeldung und Rechteverwaltung. Der eingebaute MCP-Server erreicht auch ihre Daten.
Preise und Tarife
ERPNext steht unter GPL-3.0 und kostet weder Lizenzgebühren noch eine Gebühr je Nutzer. Im Selbstbetrieb zahlst du den Linux-Server, die Sicherungen und die Zeit für Updates. Installiert wird über die offiziellen Docker-Vorlagen aus dem Projekt frappe_docker. Frappe Cloud rechnet nicht nach Nutzern ab, sondern nach der CPU-Zeit, die eine Instanz am Tag verbraucht. Wie lange jemand angemeldet ist, zählt nicht. Eine einzelne Instanz auf geteilten Servern bei AWS oder Oracle kostet 5 US-Dollar im Monat mit 0,5 Stunden CPU-Zeit am Tag, die Stufen reichen bis 50 US-Dollar mit 4 Stunden. In dieser Umgebung stehen nur die Apps von Frappe selbst zur Wahl. Bei Hetzner gibt es zum selben Preis 4-mal so viel CPU-Zeit. Für geschäftskritischen Betrieb empfiehlt Frappe aber AWS oder Oracle. Eigene Apps und Apps aus dem Marktplatz gibt es laut Preisseite erst in einer privaten Umgebung ab 25 US-Dollar im Monat. Dort liegt auch die deutsche Erweiterung erpnext_germany. Ein ganzer virtueller Server beginnt bei 40 US-Dollar. Zum Testen gibt Frappe 14 Tage. Hinzu kommt die Einführung. Das Importwerkzeug liest CSV- und Excel-Dateien ein, von Artikeln und Kunden bis zu Aufträgen und Einkaufsrechnungen. Die Daten aus dem Altsystem dafür aufzubereiten und zu prüfen bleibt Projektarbeit. Gespart werden bei ERPNext die Lizenzgebühren, nicht das Einführungsprojekt. Alle Beträge sind Nettopreise, die Umsatzsteuer kommt hinzu.
Für wen ist ERPNext geeignet?
Mittelständler, die ihre Geschäftsdaten selbst halten und KI-Agenten daran anbinden wollen, bekommen mit ERPNext ein ERP, dessen gesamtes Datenmodell ohne Aufpreis über eine Schnittstelle erreichbar ist. Darf ein Agent Belege anlegen oder buchen, muss das Protokoll beide Seiten festhalten, den Agenten und den Menschen, der den Vorgang ausgelöst hat. Frappe vermerkt Änderungen beim Benutzerkonto, über das sie laufen. Schreibt der Agent über ein eigenes Konto, fehlt im Protokoll der Mensch. Meldet er sich mit dem Konto eines Menschen an, fehlt der Agent. Diese doppelte Zuordnung ist Bauaufwand und kein Schalter in den Einstellungen.
Betriebe ohne festgelegte Abläufe steigen besser mit einzelnen Frappe-Apps ein und lösen zuerst ihr dringendstes Problem, etwa mit Frappe CRM statt einer Vertriebsliste in der Tabellenkalkulation oder mit Helpdesk statt eines gemeinsamen Postfachs. ERPNext kommt auf derselben Instanz dazu, wenn Angebot, Auftrag und Rechnung an der Reihe sind. Frappe CRM legt dann über eine eigene Anbindung aus gewonnenen Deals Kunden in ERPNext an und füllt Angebote vor. CRM und Helpdesk stehen unter AGPL-3.0. Wer sie verändert und die veränderte Fassung anderen über das Netz bereitstellt, muss diesen Nutzern ihren Quellcode anbieten.
Firmen, die eine fertige DATEV-Anbindung und einen Dienstleister in der Nähe brauchen, finden beides bei ERPNext nur eingeschränkt. Frappe listet am 31.10.2026 für Deutschland 3 Partner, für Indien 74. Wer ERPNext trotzdem einführt, klärt vorher mit dem Steuerberater, ob CSV-Export und Kontenrahmen für die eigene Buchhaltung reichen.
DSGVO und Datenschutz
Im Selbstbetrieb bestimmst du Serverstandort und Zugriff selbst, etwa auf einem Server in einem deutschen Rechenzentrum. ERPNext selbst bindet kein Sprachmodell an. Frappe Cloud betreibt Frappe Technologies aus Indien. Als Standort lässt sich unter anderem Frankfurt wählen, dazu Zürich, London und Rechenzentren in Asien, Afrika, Nahost, den USA und Australien. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es als Muster, unterzeichnet wird er auf Anfrage beim Support. Die Liste der Unterauftragsverarbeiter nennt neben AWS, Oracle, Hetzner, Scaleway und DigitalOcean auch OpenAI und Anthropic mit dem Zweck Datenanalyse, ohne zu sagen, welche Daten das betrifft. Ob Frappe Kundendaten für ein Training nutzt, sagen weder die Unterauftragsliste noch die Seite zum Vertrag. Bei der KI-Anbindung bestimmt das gewählte Modell, wohin Daten gehen. Liest ein Agent mit Cloud-Modell Daten aus ERPNext, gehen sie an den Anbieter des Modells. Mit einem lokalen Modell und einem Agenten auf eigener Hardware bleiben die Daten, die der Agent liest, auf dieser Hardware. Für Kunden- und Personaldaten ist der Selbstbetrieb auf einem Server in Deutschland mit einem lokalen Modell der Weg, bei dem weder Frappe Cloud noch ein Modellanbieter beteiligt ist. Ob weitere Dienste Daten erhalten, etwa eine Fehlerüberwachung wie Sentry, hängt davon ab, was du in der Instanz einrichtest. Wegen des Anbieters aus Indien, des Vertrags nur auf Anfrage und der US-Dienste in der Unterauftragsliste führen wir ERPNext hier nicht als DSGVO-konform.
Alternativen zu ERPNext
- Odoo deckt ebenfalls Vertrieb, Lager, Fertigung und Buchhaltung ab. Die Enterprise-Ausgabe wird je Nutzer abgerechnet. Die externe API für eigene Software und Agenten, den Betrieb auf eigenen Servern und den Baukasten Studio gibt es dort erst im Custom-Tarif. Die kostenlose Community-Ausgabe läuft auch auf eigenen Servern, hat aber einen kleineren Funktionsumfang.
- NocoBase baut interne Fachanwendungen mit Datenmodell, Rollen und Freigaben auf eigenen Servern. Das passt, wenn ein Betrieb einzelne Abläufe abbilden will und keine Buchhaltung mit Lager und Fertigung braucht.
- Twenty CRM konzentriert sich auf die Kundenverwaltung, mit eingebautem MCP-Server und Selbstbetrieb per Docker. Für Firmen, deren Faktura in einem anderen System bleibt, ist das der kleinere Schritt.
Was ERPNext gut kann
- Keine Lizenzgebühren und keine Kosten je Nutzer
- REST-Schnittstelle über alle Objektarten mit Rechten je Objekt, ohne Tarifsperre
- MCP-Server seit Oktober 2026 im Frappe Framework eingebaut
- Fertigung, Lager, Projekte und Buchhaltung in einem System
- Frappe Cloud mit Abrechnung nach CPU-Zeit
- Selbstbetrieb per Docker auf einem Server in Deutschland möglich, KI-Anbindung auch über ein lokales Modell
Wo es hakt
- DATEV nur über eine Community-App mit CSV-Export und Belegversand, kein GoBD-Testat gefunden
- Die deutschen Erweiterungen und Kontenrahmen pflegt im Wesentlichen ein einziger Anbieter
- Wenige ERPNext-Dienstleister in Deutschland
- Für Agenten mit Schreibzugriff fehlt ein Protokoll, das Agent und Mensch gemeinsam festhält
Wofür es eingesetzt wird
Angebot, Auftrag, Lieferung und Rechnung in einem System · Lager und Fertigung mit Stücklisten und Arbeitsaufträgen · KI-Agenten über MCP an Geschäftsdaten anbinden · ERP ohne Lizenzgebühren auf eigenem Server betreiben · Mit der Zusatz-App eu_einvoice E-Rechnungen als XRechnung und ZUGFeRD erzeugen und einlesen