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OpenTalk
im Test.
OpenTalk ist eine Videokonferenz-Plattform der OpenTalk GmbH aus Berlin, einem Unternehmen der Heinlein Gruppe. Der Quellcode liegt unter der EU Public License 1.2 offen, der Cloud-Dienst läuft in einem deutschen Rechenzentrum, und dieselbe Software installierst du auch im eigenen Rechenzentrum. Die Plattform zielt auf strukturierte Meetings mit Redelisten, Handzeichen, Rede-Timern und Abstimmungen.
Stand 4. August 2026
| Preismodell | Freemium, Starter kostenlos (5 Teilnehmer, 30 Min.) / Standard 7,50 Euro pro Nutzer und Monat (75 Euro im Jahr) / Premium 12,50 Euro pro Nutzer und Monat (125 Euro im Jahr), jeweils netto |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, EUPL-1.2 |
Für gewöhnliche Besprechungen reichen Zoom und Microsoft Teams. Anders wird es, wenn ein Gremium seine Beschlüsse nachweisbar fassen muss oder eine Behörde im Vergabeverfahren belegen soll, wer die Konferenzdaten verarbeitet. OpenTalk ist auf diese Fälle zugeschnitten und hat seinen Schwerpunkt deshalb im öffentlichen Sektor. Die Thüringer Landesverwaltung betreibt die Software unter dem Namen ThMeet im eigenen Landesrechenzentrum, mit Zugang für über 10.000 Landesbeschäftigte und mehr als 1.000 Beschäftigte in knapp 50 Kommunen.
Wichtigste Funktionen
- Namentliche und anonyme Abstimmungen: Beschlüsse fasst ihr direkt im Meeting, offen oder geheim, mit revisionssicherer Dokumentation. Für Vereine, Genossenschaften, Beiräte und öffentliche Gremien ist das der Grund, sich OpenTalk überhaupt anzusehen. Die Funktion steckt allein im Premium-Tarif.
- Moderation mit Redeliste und Talking Stick: Wortmeldungen laufen in eine zeitlich sortierte Liste, gehobene Hände kann die Moderation wieder senken, und der Talking Stick gibt das Rederecht reihum weiter. Dazu kommen ein Konferenz-Timer, ein Rede-Timer je Person und ein Pausenmodus mit Countdown. Diese Funktionen sind in allen Tarifen enthalten, auch im kostenlosen.
- Breakout-Räume, Whiteboard und Protokoll: Für Workshops teilt die Moderation die Runde automatisch oder von Hand in Gruppen auf und behält Zugriff auf alle Räume. Whiteboard und Protokollfunktion arbeiten währenddessen am selben Stand. Breakout-Räume gibt es ab dem Standard-Tarif.
- Telefoneinwahl: Wer gerade keine tragfähige Internetverbindung hat, wählt sich über den Telefonstandard SIP in dieselbe Konferenz ein. Das gehört zum Premium-Tarif.
- Outlook-Add-in: Seit Version 25.4.7 vom 21.04.2026 legst du OpenTalk-Termine direkt aus Outlook an und bearbeitest sie dort, über verschiedene Betriebssysteme und Outlook-Fassungen hinweg. Der Cloud-Dienst hat das Add-in mit dieser Version zum ersten Mal bekommen.
- Selbstbetrieb: Das Backend ist in Rust geschrieben, das Frontend in TypeScript und React. Du installierst über Docker-Container, große Installationen laufen im Kubernetes-Cluster. Version 26.1 vom 09.06.2026 hat den OIDC Back-Channel Logout ergänzt, mit dem eine OpenTalk-Sitzung endet, sobald sich jemand im angebundenen Anmeldedienst abmeldet.
Preise und Tarife
Der Starter-Plan kostet nichts und deckt 10 Konferenzräume, 5 Teilnehmer, 30 Minuten Konferenzdauer und 100 MB Speicher ab. Aufnahmen, Breakout-Räume und Unterkonten fehlen, der Support läuft über die FAQ-Seite.
Für den Standard-Plan zahlst du 7,50 Euro pro Nutzer und Monat oder 75 Euro pro Nutzer und Jahr, für die jährliche Zahlung nennt die Preisseite eine Ersparnis von bis zu 17 %. Die Grenzen steigen auf 50 Teilnehmer und 240 Minuten, die Zahl der Räume ist unbegrenzt, der Aufnahmespeicher liegt bei 1 GB, und Aufnahmen, Breakout-Räume sowie E-Mail-Support kommen dazu. Unterkonten sind freigeschaltet, kosten laut Fußnote der Preisseite aber zusätzlich.
Der Premium-Plan kostet 12,50 Euro pro Nutzer und Monat oder 125 Euro pro Nutzer und Jahr. Er hebt die Teilnehmerzahl auf 200, nimmt die Zeitbegrenzung weg, gibt 10 GB Speicher und schaltet Subraum-Audio, Streaming über RTMP, Telefoneinwahl und die namentliche wie anonyme Abstimmung frei. Wer OpenTalk wegen der Abstimmungen einsetzen will, kommt an diesem Tarif nicht vorbei.
Die Community Edition für den Selbstbetrieb ist quelloffen und kostet nichts, kommt aber ohne Herstellersupport. Die Enterprise Edition rechnet OpenTalk als Abonnement nach der Zahl der registrierten Nutzer ab, Gäste zählen nicht mit, einen Listenpreis nennt der Hersteller dafür nicht. Server, Betrieb und Wartung im eigenen Rechenzentrum kommen in beiden Fällen obendrauf.
Alle genannten Beträge weist OpenTalk auf der Preisseite als Nettopreise aus, die Umsatzsteuer kommt beim Kauf noch dazu.
Für wen ist OpenTalk geeignet?
- Behörden und Landesverwaltungen: Im Vergabeverfahren müssen Behörden nachweisen, wo die Konferenzdaten liegen und wer sie verarbeitet. OpenTalk läuft im eigenen Landesrechenzentrum, der Quellcode ist prüfbar, und mit Thüringen gibt es einen Referenzbetrieb in fünfstelliger Nutzerzahl.
- Kanzleien und Notariate: Mandantengespräche per Video verlangen einen Anbieter, der als Vertragspartner in Deutschland sitzt und den Dienst in einem deutschen Rechenzentrum betreibt. Beides trifft auf die OpenTalk GmbH zu. Den Auftragsverarbeitungsvertrag solltest du dir vor dem Abschluss trotzdem zeigen lassen, öffentlich einsehbar ist er nicht.
- Vereine, Genossenschaften und Gremien: Wer Beschlüsse online fassen und dokumentieren muss, findet in OpenTalk eine der wenigen Videokonferenzlösungen, die das eingebaut haben. Rechne dafür den Premium-Tarif ein.
DSGVO und Datenschutz
Anbieter und Vertragspartner der Cloud-Fassung ist die OpenTalk GmbH in der Schwedter Straße in Berlin, ein Unternehmen der Heinlein Gruppe. Der Dienst läuft nach Herstellerangabe in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland. Als erste Videokonferenzlösung überhaupt hat OpenTalk das IT-Sicherheitskennzeichen des BSI nach DIN SPEC 27008 bekommen, für den Standard-Tarif unter der Kennung IT-SIK-04002, ausgestellt am 20.06.2024 und gültig bis zum 19.06.2028. Das BSI führt dazu derzeit keine bekannten Schwachstellen.
Weder die Datenschutzhinweise noch die Produktseiten nennen eine inhaltliche Auswertung von Konferenzen, und KI-Funktionen für Transkription oder Zusammenfassung hat das Produkt nicht, also gibt es dort auch nichts zu trainieren. Im Selbstbetrieb bleiben Aufzeichnungen, Protokolle und Nutzerkonten auf der eigenen Hardware.
Das grüne Abzeichen für DSGVO-Konformität steht hier trotzdem auf nein, und zwar wegen des Auftragsverarbeitungsvertrags. Es gibt ihn, laut Preisseite ist er in jedem Tarif enthalten, unterzeichnet wird er nach Angabe im OpenTalk-Glossar aber erst im Profil der Cloud-Lösung. Der Vertragstext selbst ist öffentlich nicht abrufbar, weder im Fußbereich der Webseite noch in den Nutzungsbedingungen, den Datenschutzhinweisen oder der Sitemap.
Nach demselben Maßstab haben in dieser Sammlung bereits LLMBase und Mittwald das Abzeichen verloren, beides ebenfalls deutsche Anbieter. Wo es allein um den Verarbeitungsort geht, erfüllt OpenTalk, was deutsche Unternehmen und Behörden brauchen. Wer den Vertrag vor der Entscheidung lesen muss, und das solltest du, fordert ihn beim Vertrieb an.
Alternativen zu OpenTalk
- Jitsi Meet: Quelloffene Videokonferenz, ebenfalls im eigenen Rechenzentrum betreibbar. Umfragen kennt Jitsi, eine namentliche oder anonyme Abstimmung mit Protokoll fehlt.
- BigBlueButton: Auf Online-Unterricht ausgelegt, mit Präsentationsfunktionen, geteiltem Whiteboard und Umfragen. Für Gremiensitzungen mit Beschlussfassung ist der Zuschnitt weniger passend.
- Nextcloud Talk: Videokonferenz als Teil der Nextcloud-Plattform, sinnvoll, wenn Nextcloud ohnehin im Einsatz ist. Die Moderationsfunktionen sind deutlich schmaler als bei OpenTalk.
Wofür OpenTalk taugt
- Cloud-Betrieb in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland
- Erste Videokonferenzlösung mit dem IT-Sicherheitskennzeichen des BSI
- Quelloffen unter der EU Public License 1.2
- Namentliche und anonyme Abstimmungen mit revisionssicherer Dokumentation
- Selbstbetrieb im eigenen Rechenzentrum vollständig unterstützt
Wo es hakt
- Auftragsverarbeitungsvertrag nur nach Anmeldung im Kundenprofil einsehbar
- Namentliche und anonyme Abstimmung, Streaming und Telefoneinwahl erst im Premium-Tarif
- Kostenlose Version auf 5 Teilnehmer und 30 Minuten begrenzt
- Keine KI-Funktionen für Transkription oder Zusammenfassung
Wofür es eingesetzt wird
Videokonferenzen in deutschen Rechenzentren durchführen · Namentliche und anonyme Abstimmungen in Online-Meetings · Moderierte Sitzungen mit Redeliste und Rede-Timer · Videokonferenz im eigenen Rechenzentrum betreiben